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INVESTITION IN EINE BEZIEHUNG

Wie Digitalisierung die Produktivität erhöht, was sich die UNITED GRINDING Group vom Grinding Symposium verspricht und worauf er sich bei der Veranstaltung selbst am meisten freut – das erklärt CEO Stephan Nell im Interview.

Was erwartet sich die UNITED GRINDING Group vom Grinding Symposium?

Stephan Nell: Unsere Mission ist ja grundsätzlich, unsere Kunden erfolgreicher zu machen. Das Grinding Symposium ist ein wichtiger Baustein dafür. Wir möchten unseren Kunden dabei das Neuste aus unserer Branche vorstellen und ihnen Wissen über bestehende und neue Technologien vermitteln, die ihnen heute schon helfen, effizienter zu arbeiten. Außerdem möchten wir ihnen relevante Informationen zu Themen von morgen geben. Dabei muss es nicht nur um das Schleifen direkt gehen. In unseren Fachvorträgen nehmen wir Themen auf, die allgemeine Trends und Herausforderungen der Zukunft beleuchten, die unsere Kunden auch über das Schleifen hinaus beschäftigen. Zu guter Letzt möchten wir mit unseren Kunden in Austausch treten und ihre Meinungen zu relevanten Themen abholen, damit wir auch zukünftig die richtigen Lösungen anbieten können, die unsere Kunden dabei unterstützen, noch erfolgreicher zu sein. Wenn uns das gelingt, haben wir unser Ziel erreicht.

 

Dabei ist das Symposium ja aber keine Verkaufsveranstaltung?

Definitiv nicht. Die meisten Besucher sind bestehende Kunden, und das Symposium ist auch eine Art, ihnen Danke zu sagen. Wir versuchen einen Mehrwert zu bieten und unseren Kunden etwas zurückzugeben für das Vertrauen, das sie seit Jahren in uns setzen.

 

Erstmals gibt es bei diesem Symposium das FutureLAB. Was erwartet die Besucher dort?

Wir trennen das ganz bewusst: Die Technologien an den Technologiestationen kann man schon heute bestellen und einsetzen. Im FutureLAB möchten wir einen Ausblick geben auf Themen, die nicht notwendigerweise morgen auf den Markt kommen. Das ist vergleichbar mit einem Autohersteller, der bei einer Messe einen Prototyp zeigt. Wir zeigen, was bei uns in den nächsten Jahren an Entwicklungen ansteht und erhoffen uns hierzu ein Feedback der Kunden.

 

Studien besagen, dass im Maschinenbau die erwartete Steigerung der Produktivität durch die Digitalisierung bisher nicht eingetreten ist. Wie nehmen Sie die Entwicklung wahr?

Wir können da nur für uns reden. Natürlich geht es bei uns immer auch um die Produktivität. Lassen Sie mich ein Beispiel geben. Wir betreiben eine Smart Factory und da geht es darum, die Overall Equipment Effectiveness (OEE) zu erhöhen. Unsere Lösung war ein Tool zur Visualisierung für unsere Mitarbeiter, um verständlich zu machen, worum es geht. Daraus ist eine Kundenlösung entstanden, die durch Visualisierung relevanter Parameter auch unseren Kunden helfen soll, ihre Produktivität zu erhöhen. Ich spreche dabei von den Produkten unserer UNITED GRINDING Digital Solutions™.

 

Das bedeutet in diesem Fall, mehr Produktivität dank Digitalisierung.

Für uns ist es sehr wichtig, dass alles, was wir im Bereich Digitalisierung machen, immer einen Mehrwert hat für die Kunden. Auf Messen sehe ich viele technologische Lösungen und frage mich ,Warum machen die das?’ Und oftmals, so habe ich das Gefühl, lautet die Antwort: ,Weil sie es können, nicht, weil Kunden es brauchen’. Wir stellen uns immer die Frage: ,Machen wir das jetzt nur, weil wir das können, oder bringt es einen echten Mehrwert?’ Wollen sie bei ihrem vernetzten Auto wissen, wie hoch gerade die Temperatur der Radnabe vorne links ist? Kaum. Aber sie wollen wissen, wann sie bricht. Also ist die Aufgabe zu überlegen, wie ich mit den erhobenen Daten einen Sicherheitsgewinn oder einen Produktivitätsfortschritt erzielen kann. Und wenn ich weiß, dass ich an einer bestimmten Stelle etwas tun muss, dann bin ich auf dem Weg zur Predictive Maintenance. Und wenn wir die Digitalisierung und damit die gewonnen Daten in dieser Art und Weise intelligent auswerten und einsetzen, dann kann die Digitalisierung durchaus zur Produktivitätssteigerung beitragen.

 

Inwieweit entstehen neue Geschäftsmodelle durch die Digitalisierung?

Grundsätzlich kann ich sagen: Wir sind Maschinenbauer und bleiben es. Wir werden kein Software-Konzern, das können andere besser. Ich weiß auch nicht, ob man so einfach trennen kann zwischen digital und analog. Wir entwickeln intelligente Komponenten für Maschinen, das ist eine Kombination aus Digitalisierung und Maschinenbau. Das Schöne an Werkzeugmaschinen ist, dass es ohne sie hier in dem Raum nichts geben würde – keine Tische, keine Stühle und schon gar keine Kamera. Wenn wir es aber, wie oben erwähnt, schaffen, relevante Daten zu erheben und intelligent und nutzbringend für den Kunden auszuwerten, dann kann ich mir durchaus vorstellen, dass daraus neue Geschäftsmodelle entstehen können.

 

Verstellt die Konzentration auf die Digitalisierung manchmal den Blick auf andere Optimierungspotenziale?

Bei UNITED GRINDING trennen wir das. Wir haben Mitarbeiter, die sich mit Digitalisierung beschäftigen, und ganze Bereiche, die sich mit der mechanischen Entwicklung befassen. Es gibt im Schleifprozess immer wieder Themen, die zu Effizienzsteigerungen bei unseren Kunden beitragen. Die Abrichttechnologie WireDress® etwa hat nichts mit Digitalisierung zu tun und realisiert deutliche Effizienzgewinne. An solchen Themen arbeiten wir intensiv.

 

Die Automatisierung wird im weltweiten Vergleich unterschiedlich gesehen – in Deutschland verbunden mit der Angst um Arbeitsplätze, in China als Entwicklungstreiber. Wie stellt sich ein globales Unternehmen dazu auf?

Ich glaube, das ist gar nicht so schwierig. Die Automatisierung in der technischen Lösung ist überall die gleiche. Die Motivation, warum man sie kauft, ist unterschiedlich. In unserer Branche geht es immer um Präzision, zu der Automationslösungen einen wichtigen Beitrag leisten können. Natürlich kann die Motivation auch sein, einen Mangel an Arbeitskräften auszugleichen. Das ist ein Thema in den USA, wo in der verarbeitenden Industrie Tausende von Arbeitskräften fehlen, oder in Europa, wo wir überalterte Gesellschaften haben. Die Frage ist, ob die Automatisierung unterm Strich Arbeitsplätze vernichten wird. Aber es gab schon manche Veränderung in der industriellen Evolution – und die Gesellschaft hat sich immer angepasst. Also, ich bin da nicht so pessimistisch.

 

Die UNITED GRINDING Group konfiguriert ihre Technologie ja stark für die einzelnen Märkte. Was heißt das für die Automatisierung?

Für uns geht es immer darum, Kunden das zu bieten, was sie brauchen. Und das ist nicht auf der ganzen Welt gleich. Unser Anspruch ist: Wir sind international, wir sind kundennah, wir müssen den Kunden verstehen. Damit ist nicht nur die Sprache gemeint, sondern die Produktionsphilosophie. Wir haben Kunden, die die gleichen Teile herstellen in unterschiedlichen Weltregionen – und die machen das überall anders. Wir helfen unseren Kunden, für den spezifischen Anforderungsfall im jeweiligen Land die beste Lösung zu finden.

 

Aber Automatisierung hat ja auch die Dimension Arbeitskosten. Roboter werden nicht krank, haben keinen Urlaub und erhalten keine Pension. Was bedeutet Automatisierung in dieser Hinsicht?

Wie schon gesagt, hat es in der industriellen Evolution schon manche Veränderung gegeben. Keine hat bisher in der Geschichte dazu geführt, dass Menschen als Arbeitskräfte nicht mehr gebraucht wurden. Es sind daraus immer wieder neue Herausforderungen und auch Chancen entstanden.

 

Anfang 2019 hat die Unternehmensgruppe erstmals Geschäftszahlen veröffentlicht. Wie beurteilen Sie das Geschäftsjahr 2018 und welche Entwicklung erwarten Sie für 2019?

2018 war ein absolutes Rekordjahr. Wir konnten rund 800 Millionen Schweizer Franken, also 700 Millionen Euro, Umsatz realisieren und hatten eine zweistellige Umsatzrendite. Getragen natürlich auch durch die florierende Weltwirtschaft. Der Ausblick für 2019 ist schwieriger, es gibt viele Themen auf der Welt, man braucht ja nur die Zeitung aufzuschlagen: Was wird aus dem Brexit? Welche Handelshemmnisse gibt es zukünftig? Und viele weitere Fragen. Das sind schwer vorherzusagende Themen, die zu Verunsicherungen und damit einhergehend eher zu einer Beruhigung der Nachfrage führen werden. Auf diese Entwicklung sind wir vorbereitet.

 

Seit Mitte 2018 gehört die UNITED GRINDING Group nicht mehr zur Körber-Gruppe. Was spüren die Kunden davon?

Der Eigentümerwechsel hat keinen unmittelbaren Einfluss auf die einzelnen Unternehmensmarken oder die Kunden. Man sieht ja auch, dass der Wechsel unspektakulär vonstatten gegangen ist. Es gab keine Strategie-Änderung, das Management ist das gleiche, die Firmen sind die gleichen. Ich glaube, das Gute ist, dass wir heute noch unternehmerischer denken und handeln können.

 

Noch einmal zum Grinding Symposium. Sie werden ja die ganze Zeit dort sein. Worauf freuen Sie sich besonders?

Ich freue mich besonders auf die Kunden. Das genieße ich immer wieder, auch auf Messen: Mit den Kunden zu reden und zu hören, was sie bewegt. Auch zu hören, was bei uns vielleicht nicht so gut läuft.

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